Zu Unrecht freigesprochen? Gerichtsurteile, die für Aufsehen sorgten

409px-jorg_kachelmann_2008_gesprachsbereitFreispruch für den Schweizer-Deutschen Wettermoderator Jörg Kachelmann! Aus Mangel an Beweisen sprach das Landgericht Mannheim Kachelmann nach 44 Verhandlungstagen heute um 9 Uhr vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Am 19. Mai 2010 war gegen den 52-jährigen Anklage wegen Verdachts auf besonders schwere Vergewaltigung mit gefährlicher Körperverletzung erhoben worden. Das mutmaßliche Opfer, eine Ex-Freundin Kachelmanns, hatte Anzeige erstattet und gab an, in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 von ihm angegriffen und vergewaltigt worden zu sein. Während der Verhandlung waren Zweifel an der Echtheit der Aussagen der 38-jährigen aufgekommen, nachdem sie zum Teil falsche Angaben zur Vorgeschichte der Tat gemacht hatte und diese erst später richtig gestellt hatte. Auf der angeblichen Tatwaffe fanden sich außerdem keine DNA-Spuren Kachelmanns. Er selbst hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten.

Das Gericht sprach Kachelmann frei, nachdem die Vorwürfe nicht erwiesen werden konnten. Das Publikum im Gerichtssaal reagierte mit Jubel und spontanem Applaus. Kachelmann soll für die Zeit in Untersuchungshaft Entschädigung erhalten, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Trotz Freispruch wird sich Kachelmann auch weiterhin mit Skeptikern auseinandersetzen müssen und hat bereits einen Teil seines Ansehens einbüßen müssen. Durch das Verfahren war moralisches und sexuelles Fehlverhalten Kachelmanns an die Öffentlichkeit gelangt und kontrovers diskutiert worden. Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen vom Magazin „Der Spiegel“ und Feministin und Journalistin Alice Schwarzer, die für die „Bild“ kommentierte, hatten sich eine regelrechte Medienschlacht geliefert. Das Medienspektakel dürfte heute abend in der Sendung von Sonja Maischberger seinen Höhepunkt erreichen, wo unter anderem Alice Schwarzer und der ehemalige Kachelmann-Verteidiger Klaus Schroth aufeinandertreffen und über den Fall weiter diskutieren.


Der Fall erinnert an ein ähnliches Ereignis im Jahre 2005: Der damals 36-jährige Andreas Türck war ebenfalls von der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung freigesprochen worden. Auf einer Brücke in Frankfurt am Main soll er im Jahr 2001 das mutmaßliche, damals 26-jährige Opfer zu Oralsex gezwungen haben. Zwei Gutachten über die  Glaubwürdigkeit des Opfers ergaben, dass die junge Frau vermutlich nicht die Wahrheit sagte. Zudem war sie als körperlich und psychisch labile Person dargestellt worden, die an Esstörungen leidet, Drogen konsumiert und an Wahrnehmungsstörungen leiden soll. Am Ende der Verhandlung stand sie am Rande eines Zusammenbruchs. Auch das Ansehen des ehemaligen Moderators, als charmanter Frauenversteher und Liebling aller Schwiegermütter, hatte durch den Prozess und die mediale Ausschlachtung deutlich Schaden genommen. Seinen Job als Showmoderator hatte er bereits 2003 verloren, die Stigmatisierung als möglicher Vergewaltiger war er nie wieder richtig losgeworden und hatte sich nach dem Prozess weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Für das bisher größte Aufsehen sorgte der Freispruch des Footballspielers O. J. Simpson. Am 12. Juni 1996 waren Nicole Brown, die Ex-Frau des Footballspielers und ihr Freund Ronald Goldman vor ihrer Wohnung brutal ermordet worden, während die Kinder drinnen schliefen. Simpson soll seine Ex-Frau abgöttisch geliebt haben und sehr eifersüchtig gewesen sein. Während der Ehe soll er Nicole mehrfach geschlagen und ihr sogar mit Mord gedroht haben. Am Tatort wurden Blutspuren mit Simpsons Blutgruppe gefunden, sein Alibi war ebenfalls nicht sehr überzeugend. Dennoch wurde Simpson aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Als sei das nicht genug, veröffentlichte er 10 Jahre später ein Buch mit dem Namen „Wenn ich es getan hätte, so hätte ich es gemacht“ und sorgte damit für einen neuen Skandal. Noch heute glauben ca. 80 Prozent der Amerikaner, dass Simpson schuldig ist.

Nicht erwartet hätten Viele auch dieses Urteil: Im Juni 2007 gab es zwar keinen Freispruch, jedoch einen Zuspruch der besonderen Art: David Hasselhoff bekam das Sorgerecht für seine beiden Töchter zugesprochen. Der seit vielen Jahren als alkoholkrank geltende Sänger und Schauspieler hatte kurz zuvor noch mit einem Video für Furore gesorgt, in dem seine eigene Tochter ihn dabei aufgenommen hatte, wie er im Vollrausch versucht, einen Hamburger zu essen. Dies versuchte sich seine Ex-Frau Pamela Bach während der Verhandlung zu Nutzen zu machen, scheiterte jedoch kläglich. Hasselhoff erhielt das Sorgerecht für die gemeinsamen Töchter Taylor-Ann und Hayley Amber. Pamela war nach dem Urteil am Boden zerstört, schluchzte: „Ich habe gerade meine Kinder verloren.“ Seitdem sorgte zunächst nicht mehr David, sondern Pamela durch Trunkenheit für Schlagzeilen.

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Bild: René Mettke/wikimedia.org